1973, 1981, 1986, 1995, 2004, 2007, ... Noch’n Land dazu?

Am 27. Oktober 2008 gaben etwa 1 000 Kroat(inn)en Ivo Pukanic das Totengeleit. Der Journalist der „National“, einer der wichtigsten kroatischen Wochenzeitungen, wurde vier Tage früher mit seinem Kollegen Opfer einer Autobombe in Zagreb.

Kroatien ist der chancenreichste Beitrittskandidat der EU. Das Land hofft, der EU im Jahre 2011 beizutreten. Bis 2004 war das größte Hindernis auf dem Weg in die EU die ungenügende Zusammenarbeit mit dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien. In letzter Zeit tauchen neue Hindernisse auf. Infolge der fruchtlosen Gewalt- und Korruptionsbekämpfung kann Kroatien das Kennzeichen „Balkanland“ nicht loswerden. Die Perspektive des EU-Beitritts motiviert die Regierung, die Probleme tatsächlich zu lösen. Kroatien ist nicht das einzige Beispiel, wie positiv die EU in solchen Regionen wirken kann, wenn sie offen für die neuen Kandidat(inn)en bleibt.

Außer Kroatien haben den offiziellen Status des Beitrittskandidaten noch Mazedonien und die Türkei. Die Türkei strebt wahrscheinlich schon am längsten nach der EU-Mitgliedschaft. Bereits 1959 bewarb sie sich um die Mitgliedschaft in der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. Ihr EU-Beitritt bleibt dennoch umstritten. Befürworter(innen) erinnern an weitgehende Modernisierungsprozesse und langjähriges Engagement im EU-Beitritt. Der direkte EU-Einfluss würde zur Demokratiestärkung und Schwächung der Islamisten beitragen. Gegner(innen) heben Kultur- und Religionsunterschiede oder Verletzung(en) der Menschenrechte hervor.

Im Jahr 2007 schloss die EU das Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit Serbien, was zum Erfolg der proeuropäischen Parteien in der Parlamentswahl im Mai 2008 beitrug. Es ist kein Zufall, dass nur zwei Wochen nach Bildung der neuen serbischen Regierung der Kriegsverbrecher Radovan Karadzicčaufgegriffen wurde.
Trotz der positiven Auswirkungen ist die Aufnahmefähigkeit der EU zu berücksichtigen. Nach der Osterweiterung im Jahre 2004 und 2007 erlebt die EU zurzeit eine Erweiterungsmüdigkeit. Deutschland und Frankreich wollen keine Erweiterung der Union vor Inkrafttreten des Vertrags von Lissabon, das aber bleibt unsicher. Es gibt auch Meinungen, die den Beitritt Rumäniens und Bulgariens in Frage stellen, vor allem wegen der erfolglosen Korruptionsbekämpfung.

Die EU–Beitrittsperspektive trägt zur Friedenserhaltung vor allem in Ländern des ehemaligen Jugoslawiens bei. Falls die EU für sie diesen Weg absperrt, werden die Länder wieder anfälliger gegenüber dem Nationalismus und der daraus resultierenden Gewalt. Die EU kann aus der Geschichte lernen. In den 80er Jahren lud damals noch die Europäische Gemeinschaft (EG) Griechenland, Spanien und Portugal zur Mitgliedschaft ein, obwohl sie den Beitrittskriterien noch nicht gerecht wurden. Es handelte sich um Länder, in denen erst vor kurzem ein autoritäres Regime zusammengebrochen war. Die EG trug zu ihrer Stabilität wesentlich bei. Eine solche Rolle kann die EU heute vor allem in Ländern des ehemaligen Jugoslawiens spielen.

Alena, Tschechische Republik

  

1973, 1981, 1986, 1995, 2004, 2007, ... Who's next?

On the 27th  October 2008, about 1000 croatians attended Ivo Pukanic's wake. The journalist of National, a leading weekly croatian newspaper, was killed together with a collegue by a car bomb in Zagreb four days earlier.

Croatia is the EU member candidate most likely to be successful. The country hopes to join the EU in 2011. Until 2004, the biggest obstacle was the insufficient cooperation with the international court of justice for former Yugoslavia. Recently, new obstacles showed up. Due to the fruitless fight against violence and corruption, Croatia can not get rid of the label „balkan state“. The chance of joining the EU motivates politicians to really solve these problems. Croatia is just one of many examples for the positive effect the EU can have by just leaving the door open for the new candidates.

Apart from Croatia, Turkey and Macedonia are also official candidates. Turkey is probably the candidate that has been striving for a membership the longest time. It already applied for EG membership in 1959. Nevertheless, the issue of its potential entry is disputed. Advocates mention the massive modernisation processes and its attempts to join for many years. Direct influence by the EU would strengthen democracy and weaken islamists, whereas opponents point out cultural and religious differences as well as violations of human rights.

In 2007 the EU signed the treaty for stabilisation and association with Serbia which partially influenced the success of the pro-European parties in the parliament elections in May 2008. It was not by chance that war criminal Radovan Karadzicč was caught just two weeks after the new government constituted.

In spite of the positive effects, the EU's capacity should be kept in mind. After the eastern expansion in 2004 and 2007, the EU is currently tired of its growth. Germany and France  could cause further expansion of the federation by the treaty of Lisbon coming into effect; but this remains uncertain. Some even criticise the entry of Romania and Bulgaria, particularly because of their unsuccessful fight against corruption.

The perspective of an EU entry helps preserve peace, especially in former yugoslavian countries. If the EU blocks their way, they will become more prone to nationalism and resulting violence again. The EU has the chance to learn out of history. In the 80s, the EG invited Greece, Spain and Portugal to join even though they did not yet fulfill the criteria. They were countries just recently freed from authoritarian regimes. The EG tremendously helped to stabilise them. Today, the EU could play such a role again, especially in former Yugoslavian countries.

Alena, Czech Republic