Sandwichs für die Ohren
Eindrücke vom informellen Ministerforum am Rande des EU-Jugendministerrats

Am Rande der Tagesordnung des EU-Jugendministerrates trafen sich die Jugendminister(innen) und je ein(e) Jugendvertreter(in) aus Deutschland, Portugal, Slowenien, Finnland und Frankreich. Des Weiteren waren jugendliche Delegierte des Europäischen Jugendgipfels in Rom, des Jugendevents der deutschen Ratspräsidentschaft in Köln und Vertreter der Nationalen Jugendringe der Teampräsidentschaft sowie des Europäischen Jugendforums zum Meeting eingeladen. Von Regierungsseite nahm auch der EU-Kommissar für Jugend, Jan Figel, an dem Treffen teil.

Bei einem Mittagsmenü im EU-Ratsgebäude in Brüssel präsentierten die Jugenddelegierten zunächst ihre Ergebnisse in Form einer Checkliste der beiden Jugendevents in Rom und Köln. Anschließend diskutierten sie mit den Entscheidungsträger(inne)n der EU über die angestrebten Ziele.

Wie die 27-jährige Dörte Liebetruth als Delegierte des Deutschen Nationalkomitees für internationale Jugendarbeit (DNK) das Treffen mit den Jugendminister(inne)n Europas empfand und wie sie die Zukunft bewertet, berichtet sie im youngstars-Interview mit Saskia.

Dörte, Du hast als Delegierte des Deutschen Nationalkomitees für internationale Jugendarbeit (DNK – siehe auch die Infobox) das informelle Treffen persönlich erlebt. Was war Deine Aufgabe?

Ich habe den Minister(inne)n und dem Kommissar eine Checkliste überreicht, die alle Forderungen des Deutschen Jugendevents auf einer einzigen Seite zusammenfasst.

Wie war die Atmosphäre?

Für mich war es das erste Mal, dass ich im Ratsgebäude in Brüssel und bei einem solchen informellen Forum dabei war. Während des Treffens haben wir unser Mittagsmenü gegessen, so dass sich die Anwesenden nicht nur auf das Gespräch sondern auch auf das Essen konzentrierten. Während zum Beispiel EU-Kommissar Jan Figel redete, hörten die meisten Jugendminister(innen) konzentriert zu. Als Jugendvertreter(innen) sprachen, war das leider anders.

Dann war das Treffen nicht effektiv genug?

Aus meiner Sicht war es gut, dass wir Jugendlichen die Jugendminister(innen) und den Kommissar über unsere Forderungen informieren konnten. Allerdings haben wir seitens der Jugendminister(innen) wenig Feedback zu unseren Forderungen bekommen. Wegen Zeitknappheit gab es kaum die Möglichkeit, für einzelne Forderungen Druck zu machen und nachzuhaken.

Was würdest Du denn anders machen?

Aus meiner Sicht wäre es wahrscheinlich effektiver, wenn nicht zwei Jugendkonferenzen, sondern ein oder zwei Themen im Mittelpunkt eines solchen informellen Forums ständen. Sandwichs statt des dreigängigen Mittagsmenüs würden dazu beitragen, dass sich alle mehr auf die Inhalte und weniger auf das Essen konzentrieren.

Die Beteiligung an dem Jugendgipfel in Rom oder dem Jugendevent der deutschen Ratspräsidentschaft in Köln ist nicht sehr zahlreich ausgefallen. Viele junge Menschen wussten nichts von den Treffen. Wie kann man mehr Jugendliche auf EU-Events aufmerksam machen?

Leider können schon alleine aus Kostengründen nur wenige Jugendliche an europäischen Jugendkonferenzen teilnehmen. Darüber hinaus  ist es die Aufgabe von Jugendorganisationen, dass sie viele Jugendliche in die Diskussion über europäische Politik einbeziehen – egal ob die jungen Leute Mitglied in einer Jugendorganisation sind oder nicht. Wenn europäische Jugendkonferenzen stattfinden, informiert zum Beispiel das DNK seine Mitgliedsverbände per E-Mail. Die einzelnen Jugendorganisationen sollen dann diese Information an die eigenen Leute vor Ort weiterleiten.

Vielleicht hängt die mangelnde Beteiligung mit der nicht so präsenten Jugendpolitik auf europäischer Ebene zusammen.

Jugendpolitik gerät in der Tat öfter mal in Vergessenheit. Mit dem Europäischen Jugendpakt haben sich die Staats- und Regierungschef(innen)s vor ein paar Jahren ehrgeizige Ziele gesetzt. Sie wollten sich für bessere Mobilität junger Menschen oder für Vereinbarkeit von Familie und Beruf einsetzen. Leider hat sich noch nicht viel getan. Deswegen müssen wir Jugendliche und Delegierte die politischen Entscheidungsträger(innen) immer wieder an die Bedürfnisse junger Menschen erinnern.

Das Thema der Agenda lautete „Mehr Chancengleichheit und uneingeschränkte gesellschaftliche Beteiligung für alle jungen Menschen in Europa“. Warum denkst Du, dass es mehr Chancengleichheit geben sollte?

Ich lebe nicht gerne in einer Gesellschaft, in der Bildungserfolg und Zukunftschancen junger Menschen von Bildung, Einkommen und Herkunft der Eltern abhängen. Aus meiner Sicht sollte kein Mensch mehr Wert sein als ein anderer. Chancengleichheit und uneingeschränkte, gesellschaftliche Beteiligung muss deswegen endlich für alle jungen Menschen Wirklichkeit werden. Außer- dem stärken mehr Beteiligungsmöglichkeiten für Jugendliche unsere Demokratie. Und die hat es leider nötig.

Warum sind diese Forderungen für junge Europäer(innen) wichtig?

Ich finde es wichtig, dass über Jugendpolitik auf europäischer Ebene diskutiert wird, weil sich viele Probleme junger Menschen in Europa ähneln. Wenn sich die Jugendminister(innen) auf europäischer Ebene austauschen, können sie viel voneinander lernen. Das gleiche gilt auch für Jugendorganisationen.

Wie denkst Du, wird es zukünftig jugendpolitisch weitergehen? 

Ich bin gespannt auf die Mitteilung der Europäischen Kommission zur Zukunft der Europäischen Jugendpolitik, die im Herbst erscheint. In den vergangenen Jahren diskutierten alle viel über die gesellschaftliche Partizipation junger Menschen und über ihre berufliche und soziale Integration. Es muss nun beides zusammengeführt werden. Denn es ist klar, dass Investitionen in die Jugend auch Investitionen in die Zukunft sind. Alle jungen Menschen sollten das Recht auf gleiche Chancen und gesellschaftliche Beteiligung haben – unabhängig von wirtschaftlichen Kosten-Nutzen-Rechnungen.

Was können junge Europäer(innen) dafür tun?

Noch viel mehr junge Europäer(innen) müssen aktiv werden, sich politisch einmischen und in Jugendverbänden Verantwortung übernehmen. Ich wünsche mir, dass alle Jugendlichen Europa nicht nur aus verstaubten Schulbüchern kennen lernen, sondern es selbst bei europäischen Jugendbegegnungen erleben.

Saskia
 
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Dörthe Liebetruth 3.v.l.