Eine allein erziehende Mutter mit 27 Kindern kämpft seit mehr als 50 Jahren für die Zusammenarbeit, Lebensverbesserung und ein demokratisches Miteinander ihrer Schützlinge. Zwar leben längst nicht mehr alle Kinder zuhause, ein stetiger Kontakt untereinander besteht allerdings weiterhin. Jeder Sprössling entwickelt sich und lebt in ganz unterschiedlichen sozialen und kulturellen Verhältnissen. Aber trotzdem gehören sie alle zu einer Familie – Europa.
Der Europa-Clan ist jedoch viel mehr als nur diese 28-köpfige Familie: Das wichtigste Gut des Staatenbündnisses sind seine jungen und alten Bewohner(innen), also die Kinder der 27 Mitgliedstaaten. Damit die Familie „Europa“ nicht eines Tages ohne Nachwuchs dasteht, braucht sie Zukunft. Und wer kann Zukunft besser gestalten als Jugendliche?
Die EU ist mittlerweile zu dem Schluss gekommen, dass es niemanden gibt, der das Europa von morgen besser aufbauen kann als junge Menschen. Denn sie bilden den optimistischsten Teil der europäischen Bevölkerung. Um Jugendliche für europäische Arbeit zu motivieren, gibt es zahlreiche Projekte und Aktivitäten, die Jugendliche fördern und fordern.
Ein erster Schritt war sicherlich die 1972 gegründete „Europäische Jugendstiftung“ (EYF) des Europarates. Sie fördert Jugendaktivitäten internationaler Jugendorganisationen in Form von Seminaren, Camps oder Festivals.
Mit dem 1996 aus nationalen Jugendringen gegründeten „Europäischen Jugendforum“ wird jungen Menschen die Möglichkeit gegeben, mit der EU, dem Europarat und den Vereinten Nationen zusammenzuarbeiten. Das Jugendforum ist eine Lobbyorganisation mit Sitz in Brüssel.
Mit dem im März 2005 verabschiedeten „Europäischen Pakt für die Jugend“ haben Staats- und Regierungschefs der EU ein wichtiges Dokument zum Thema „Jugendpolitik“ verabschiedet. Sie machen darin deutlich, dass die jungen Menschen in Europa für einen dynamischen und wettbewerbsfähigen Wirtschaftsraum unverzichtbar sind.
Ein großes Interesse an Jugendlichen bekundet das Europäische Parlament durch das „Youth-Proofing“, eine Prüfung, die Gesetze und Vorhaben auf ihre Jugendgerechtheit untersucht.
Für europäische Jugendliche bedeutet Europa häufig „Freiheit für Reise, Studium und Arbeit“. Genau diese wohl wichtigste Verbindungslinie zwischen den unterschiedlichen Nationen wird bei dem Projekt „Jugend in Aktion“ mit Leben gefüllt: Dieses EU-Förderprogramm läuft von 2007 bis 2013 und soll Jugendlichen zwischen 15 und 25 Jahren neben Schule oder Beruf eine Plattform für gemeinsame Pläne und Aktivitäten bieten. Die soziale, kulturelle oder politische Richtung der Vorhaben ist von den jungen Menschen frei gestaltbar.
Besonders reizvoll ist die Möglichkeit, im Rahmen des Europäischen Freiwilligendienstes bis zu einem Jahr im Ausland für eine gemeinnützige Organisation zu arbeiten und Erfahrungen zu sammeln. Mit der großzügigen Förderausstattung von 885 Millionen Euro bildet die EU den finanziellen Rahmen, um Stipendien und Austauschprojekte für Student(inn)en und Schüler(inne)n zu ermöglichen. Das bekannte Austauschprogramm „Erasmus“ fördert seit 1987 die Zusammenarbeit von Hochschulen innerhalb der EU und ermöglicht jungen Studierenden grenzenübergreifende Mobilität, um zwischen den Kulturen zu pendeln.
Dieses sehr beliebte und bei jungen Menschen anerkannte Austauschprogramm ist der anschauliche Beweis dafür, dass die EU genau richtig in die Jugend investiert. Die EU hat verstanden, dass man junge Menschen nur zur Politik hinführen kann, wenn man auf sie zu geht, sie ernst nimmt und sie in attraktive Programme einbezieht. Unter diesen Voraussetzungen schließen sich junge Leute gerne an, um gemeinsam einen Weg zu beschreiten. Auch durch Praktikumsangebote bei der Parlamentsverwaltung in Brüssel oder bei der EU-Kommission wird Interesse und Lust auf weitere Europa-Arbeit geweckt.
Hoffentlich tragen diese vielfältigen Möglichkeiten dazu bei, dass Europa weiter zusammen wächst und dass Mutter „Europa“ eines Tages noch mehr Kinder in Form von EU-Mitgestalter(inne)n dazu bekommt.
Christina, Deutschland